Die Reinfelder-Schule ist eine Grund- und Oberschule für schwerhörige
Kinder, die einen besonderen Unterricht in Schwerhörigenklassen benötigen,
sowie eine Grundschule für Kinder mit und ohne Beeinträchtigungen,
die nach den Prinzipien der Lehre Maria Montessoris jahrgangsübergreifend
lernen möchten.
Die Zusammenarbeit zwischen den Schwerhörigen- und Montessori-Klassen
und die Gestaltung eines gemeinsamen Schullebens stellen ein besonderes Ziel
dar.
Die Reinfelder-Schule ist ein in erster Linie für die Kinder pädagogisch
gestalteter Lebensraum mit Platz für Kultur und Wissenschaft. Die Kinder
sollen gerne kommen und gestärkt nach Hause gehen. Die Freude am Lernen
und das Vertrauen in die eigenen Möglichkeiten stehen daher im Mittelpunkt.
Alle Kinder werden in ihrer Individualität mit ihren Stärken und
Schwächen wahrgenommen und entsprechend gefördert. Selbständigkeit,
Eigenverantwortlichkeit und die Bereitschaft zur Anstrengung wird gefördert.
Die Entwicklung der Sozialkompetenz wird auch durch vorgelebten Teamgeist entwickelt.
Das Schulleben wird durch Einbezug der Lebensumwelt in Form von Experten und
Künstlern in Unterricht und Projekten bereichert.
Lehrer, Kinder, Eltern und Schulleitung gehen respektvoll und wertschätzend
miteinander um. Auftretende Konflikte werden im gemeinsamen Gespräch gelöst.
Ein gewaltfreier Umgang und die Wertschätzung des Privat- und Gemeineigentums
sind die Grundlage unseres Handelns.
Jeder ist verantwortlich für das Gelingen des Schullebens.
Die Schulgremien und die Schulleitung gestalten ihre Arbeit für alle
transparent. Sie unterstützen das Kollegium in seiner pädagogischen
Arbeit und deren spezieller montessorischen Ausgestaltung.
Die Arbeit wird zu großen Teilen kooperativ und wo möglich im Team
bewältigt.
Die Reinfelder-Schule liegt in der Siedlung Eichkamp am Grunewald und wird
zur Zeit von ca. 400 Schülerinnen und Schüler in verschiedenen
Abteilungen besucht.
Bezogen auf die außerunterrichtliche Betreuung im Rahmen der Verlässlichen
Halbtagsgrundschule und des Horts kooperiert die Schule mit dem Reinfelder-Schülerladen-Verbund
e.V..
Eine Abteilung der Reinfelder-Schule ist das Sonderpädagogische Förderzentrum
für Schwerhörige mit einer Grundschule, einer Sekundarstufe I mit
Hauptschulklassen sowie einer verbundenen Haupt- und Realschulklasse und einer
Abteilung für Kinder mit den Förderschwerpunkten Hören und Lernen.
In diesem Teil der Schule sind ca. 80 Kinder, die aus ganz Berlin kommen.
Bis zur 3. Klasse bringen Sammeltaxis die Kinder zur Schule, ab der 4. Klasse
können
die Kinder mit Schulbussen fahren.
Der größte Teil der Kinder ist hochgradig schwerhörig (leichtgradige
Schwerhörigkeit 1,5%, mittelgradige Schwerhörigkeit 25,5%, hochgradige
Schwerhörigkeit 73%). Neben ihrer Schwerhörigkeit hat ein Teil der
Kinder zusätzliche Auffälligkeiten (24%). Der Anteil von Kindern
nichtdeutscher Herkunftssprache liegt bei 70%.
Der Hauptschulabschluss sowie der Erweiterte Hauptschulabschluss und
der Mittlere Schulabschluss können erworben werden.
Das Erscheinungsbild der schwerhörigen Schülerinnen und Schüler
ist geprägt durch Schüler
·
mit Schallverarbeitungs-, Schallempfindungs- oder kombinierter Schwerhörigkeit,
·
mit zusätzlichen Teilleistungsschwächen,
· mit Lernbehinderungen,
·
für die der Sprachlernprozess und die Kommunikation aufgrund ihrer Zwei-
oder Mehrsprachigkeit beeinträchtigt sind,
·
mit zentralen Hörschädigungen,
· die aus der Integration kommen.
Ursachen dafür können sein
·
eine späte Diagnose der Hörschädigung,
·
eine fehlende Frühförderung,
·
zusätzliche häusliche Problematik.
Das Lern- und Leistungsverhalten ist deshalb geprägt
durch
·
Schwierigkeiten im schriftlichen und mündlichen Sprachgebrauch (Leseschwierigkeiten,
Verständnisproblemen bei Texten, Aufgabestellungen, Arbeitsanweisungen),
· verlangsamtes Arbeitstempo,
·
Unsicherheit, Orientierungslosigkeit, Unselbstständigkeit,
·
fehlende Strukturierungsmöglichkeit, geringe Abstraktionsfähigkeit,
·
geringe oder verschüttete Motivation,
· Verhaltensprobleme.
Eine weitere Abteilung der Reinfelder Schule ist seit 1992 eine zweizügige
Grundschule ohne Einzugsbereich, die nach den Prinzipien der Montessori-Pädagogik
arbeitet.
Es gibt ausschließlich Integrationsklassen mit in der Regel 24 Schülerinnen
und Schülern, die jahrgangsübergreifend organisiert sind (1/2/3 und
4/5/6).
Die Reinfelder-Schule hat einen großen Ambulanzbereich. Sonderpädagogen der Reinfelder-Schule betreuen Schülerinnen und Schüler sowie Auszubildende mit dem Förderschwerpunkt Hören in ganz Berlin in ihren Schulen und Ausbildungsstätten.
Im Haus befindet sich eine pädagogisch-audiologische Beratungsstelle.
Sie berät Schülerinnen und Schüler, Eltern und Ausbilder über
·
technische Hörhilfen wie Hörgeräte und CI;
·
Kommunikationserleichterung für Hörgeschädigte;
·
Schul- und Ausbildungsmöglichkeiten;
·
schulische und soziale Integration von Hörgeschädigten.
Weitere Angebote sind Hördiagnostik (Audiometer im Haus) und eine wöchentliche
Akustikersprechstunde. Zwei Logopädinnen arbeiten ebenfalls in der Schule,
sowie ein Schülerzirkel, der vom Schwerhörigenverein getragen wird.
An der Schule unterrichten zur Zeit 52 Lehrerinnen und Lehrer, davon sind
23 Sonderpädagogen. Von diesen Kolleginnen und Kollegen haben 7 eine zusätzliche
Qualifikation im Bereich der Montessoripädagogik erworben; 18 Lehrerinnen
und Lehrer in der Grundschulabteilung haben ebenfalls eine Montessori-Qualifikation.
Die Reinfelder-Schule ist eine Ausbildungsschule. Vier Kolleginnen sind
in der 2. Phase der Ausbildung zu Sonderpädagoginnen.
Die Schule verfügt über Fachräume für Physik, Chemie, Arbeitslehre
und Naturwissenschaften. Ferner gibt es einen Computerraum mit 10 Arbeitsplätzen
und Internetverbindung.
In den Klassen befinden sich Medienecken und in jeder Etage gibt es Gruppenräume
mit Computerarbeitsplätzen, die über einen Internetzugang verfügen.
Es gibt eine Lehrküche und einen Hortbereich mit pädagogischer Küche.
Alle Räume der Schule sind schwerhörigen-spezifisch schalldämmend
ausgestattet (z. B. Teppichboden in allen Klassenräumen und Fluren).
Alle drei Schulhöfe sind in Kooperation mit „Grün macht Schule“ in
Erlebnishöfe umgestaltet worden.
Im Haus befindet sich ein Lehr- und therapeutisches Schwimmbad.
Die angebotene Fremdsprache ist Englisch.
Die Schulleitung der Reinfelder-Schule setzt sich zusammen
aus der Schulleiterin Frau Rose-Fallisch und den beiden Konrektoren Herrn
Thimm und Frau Kosky-Dorndorff.
Die Verteilung der Zuständigkeitsbereiche ist dem folgenden Organigramm
zu entnehmen.
Auf Beschluss der Gesamtkonferenz gibt es eine Erweiterte Schulleitung, die
die Schulleitung in ihren Aufgaben unterstützt.

Mit dem Schuljahr 2006/07 tritt eine neue zeitliche Strukturierung des Schultages in Kraft. Wichtigste Veränderungen dabei sind die Einführung einer 8. Unterrichtsstunde für die Kinder der JÜL4/5/6-Klassen einmal pro Woche und damit verbunden einer 3. Hofpause mit der Möglichkeit eines warmen Mittagessens.

Die Reinfelder-Schule begleitet seit August 1984 die
Integration Schwerhöriger
in der allgemeinen Schule.
Mit dem Aufbau der Montessori-Grundschulabteilung im Schuljahr 1991/92 begann
die integrative Förderung von Schülern unterschiedlicher sonderpädagogischer
Förderschwerpunkte in der Reinfelder-Schule selbst.
Pro Lerngruppe werden in der Regel drei Schüler – vorrangig schwerhörige – integrativ
gefördert.
Auf der Grundlage eines Förderplans für jedes Kind kooperieren die
unterrichtenden Lehrer und legen zu erreichende Ziele fest. Das gemeinsame
Lernen in altersgemischten Gruppen ermöglicht im gegebenen Rahmen das
Finden individualisierter Lernwege im eigenen Entwicklungstempo.
Die Eltern werden über die Entwicklung ihres Kindes regelmäßig
informiert. Die enge Zusammenarbeit mit ihnen ist uns ein wichtiges Anliegen.
In den Jahrgangsübergreifenden Lerngruppen 1-3 und 4-6 der Montessori-Grundschulabteilung steht das individualisierte Lernen und der individuelle Entwicklungsweg eines jeden Kindes im Vordergrund. Das individuelle Interesse an der Sache, das selbständige Arbeiten mit allen Sinnen ist der Motor der kindlichen Entwicklung. Individualisiertes Lernen fördert die Entscheidungsfähigkeit, das Selbstwertgefühl und das soziale Verhalten.
Die Montessori-Pädagogik an unserer Schule hat als Kernstück der Unterrichtsorganisation die Freiarbeit im Umfang von 8 bis 10 Stunden pro Woche. Die Stunden für die Freiarbeit kommen aus den Stundenkontingenten der einzelnen Fächer. In der Freiarbeit wird besonders stark das selbständige und eigenverantwortliche Arbeiten entwickelt und angewendet. Die vorbereitete Umgebung mit den vorhandenen Materialien (vielfach mit der Möglichkeit zur Selbstkontrolle) schafft Anreize für vielfältige Lernerfahrungen. Die Kinder folgen dabei ihrem individuellen Weg und erlangen durch ihr eigenes Tun und die Unterstützung ihrer Mitschüler und Lehrer mathematische, sprachliche, künstlerische und naturwissenschaftliche Kenntnisse und Kompetenzen. Die Freiarbeit setzt sich fort im Sportunterricht in Form von Freispiel.
Ein weiteres Kernstück der Unterrichtsorganisation in den JÜL-Gruppen
4-6 ist der Projekt- und Themenunterricht im Umfang von fünf Stunden pro
Woche. Hier werden Inhalte der Fächer Geografie, Geschichte, Naturwissenschaften
und Deutsch zusammengeführt und fächerübergreifend, orientiert
an den Prinzipien einer kosmischen Erziehung unterrichtet.
In den JÜL-Gruppen 1-3 findet auch der Musikunterricht vorwiegend in Verbindung
zu den Klassen-Projekten statt.
In den Fächern, in denen Klassenarbeiten geschrieben werden (Deutsch, Mathematik, Naturwissenschaften und Englisch), werden ein Teil der Stunden nach individuellem Lernstand oder jahrgangsorientiert als Fachunterricht erteilt.
Die Dokumentation der Lern- und Leistungsentwicklung erfolgt in unterschiedlichen
Formen:
·
In den Klassenstufen 1-4 erhalten die Kinder zum Schuljahresende ein verbales
Zeugnis über ihre Lern-, Leistungs- und Kompetenzentwicklung.
·
Zum Halbjahr finden im Rahmen eines Elternsprechtages schriftlich dokumentierte
Gespräche für die Kinder der Klassenstufen 3-4 in verbindlicher Form
und für die Kinder der Klassenstufen 1-2 als Angebot statt.
· In den Klassenstufen 5 und 6 werden zum Halbjahr und zum Schuljahresende
Notenzeugnisse erteilt.
·
Für diese Kinder werden zeugnisnah anstelle eines Anhangs zum Zeugnis
Gespräche über das Arbeits- und Sozialverhalten angeboten.
· In allen Klassen gibt es Elternsprechzeiten.
An der Reinfelder-Schule finden seit zwei Jahren regelmäßig
Elternschulen statt.
Dieses Konzept der Elternschule soll durch die Initiative einer Arbeitsgruppe
ausgebaut werden, damit alle neuen Eltern sich vor dem Schuleintritt ihres
Kindes über die wichtigen Elemente der Montessoripädagogik an der
Reinfelder-Schule praktisch informieren können. In Zusammenarbeit mit
Eltern von Integrationskindern sollen insbesondere Fragen der Integration stärker
ins Gespräch gebracht werden.
Derzeitig vorherrschende Aktionsformen und Methoden
im Unterricht der Schwerhörigen-Grundschulabteilung
sind:
· Freiarbeit
· Frontalunterricht
·
Unterrichtsgespräch
· Partner- und Gruppenarbeit
· Morgenkreis
Die schwerhörigenspezifische Gestaltung des Unterrichts
ist insbesondere gekennzeichnet durch:
·
eine starke Binnendifferenzierung und individuelle sonderpädagogische
Förderung
· didaktische Reduktion des Unterrichtsstoffes
·
fächerübergreifende und immanente Sprachförderung
·
polysensorische Förderung
·
Maßnahmen zur Hörerziehung und zum Hörtraining.
·
Im Sportunterricht steht vor allem die Förderung koordinativer und motorischer
Fähigkeiten im Vordergrund.
In der Unterrichtsgestaltung müssen die Besonderheiten des großen
Anteils von Schülern mit Migrationshintergrund beachtet werden. Besonders
im Sprach- und Sachunterricht werden weitgehend die Prinzipien des Unterrichts
Deutsch als Zweitsprache und der interkulturellen Erziehung berücksichtigt.
Das bedeutet im Wesentlichen:
· Die sprachlichen Probleme der Kinder werden bei jeder Unterrichtsplanung
bedacht.
·
Der Einsatz der mündlichen und schriftlicher Lehrersprache erfolgt reflektiert.
·
Die sprachlichen Angebote orientieren sich an den Möglichkeiten der Kinder
und sollen ihnen prinzipiell Verstehen ermöglichen und die sprachlichen
Kompetenzen der Kinder erweitern.
·
Die verschiedenen kulturellen Hintergründe der Kinder werden berücksichtigt
und in den Unterricht mit einbezogen.
Aufgrund der Spezifik der Schülerstruktur ergeben
sich auch in der Zusammenarbeit mit den Eltern Besonderheiten. Diese sind
im Wesentlichen gekennzeichnet durch:
· relativ geringe Resonanz der Eltern auf die schulische Arbeit,
·
unregelmäßige Teilnahme eines großen Teils der Elternschaft
an schulischen Veranstaltungen und Elternabenden.
Um den Kontakt zu den schulfernen Elternhäusern herzustellen bzw. aufrecht
zu erhalten, führen viele Kollegen regelmäßige Hausbesuche
bei den betreffenden Schülern durch.
In der Sekundarstufe I wird besonderer Wert auf die
Förderung berufsrelevanter
Basisqualifikationen gelegt. Diese gliedern sich in
·
Persönlichkeits- und Sozialkompetenz (Verantwortungsfähigkeit, Zuverlässigkeit,
Pünktlichkeit, Motivationsfähigkeit, Selbständigkeit und Eigeninitiative),
· Fachkompetenz,
· Methoden- und Medienkompetenz.
Im vergangenen Jahr wurde der Deutschunterricht mit
Profilstunden verstärkt.
Im Vordergrund steht bei den Schülern der SEK I die Förderung der
kommunikativen sowie der sozialen Fähigkeiten. Die sprachliche Förderung
auf grammatischer sowie semantischer Ebene findet unterrichtsimmanent statt.
Im Deutschunterricht werden die Schwerpunkte Förderung der Kommunikationsfähigkeit,
der Konflikt- und Kritikfähigkeit, der Kooperations- und Teamfähigkeit
gesetzt.
Für die Arbeit in allen Fächern gelten die
folgenden Prinzipien:
·
Förderung der Kommunikationsfähigkeit ist zentrales Ziel,
·
Herstellen zeitlicher und inhaltlicher Zusammenhänge (z.B. durch projektorientierten
Unterricht),
·
verstärkte Handlungsorientierung im Rahmen aller Fächer,
· Anschauung als Ausgangspunkt von Abstraktion,
·
Anknüpfen an die Lebenswelt und -wirklichkeit der Schüler,
·
verstärkte Berufsorientierung im Sinne des Erwerbs von Kompetenzen und
Schlüsselqualifikationen,
·
Rollenverhalten als Schwerhöriger „draußen" (Hörtaktik,
Sprachmuster, Verhaltensweisen) entwickeln und einüben.
Die mehrfachbehinderten Schüler werden mit ihren vielfältigen, z.T.
hochgradigen Behinderungen individuell und ganzheitlich gefördert, um
ihre jeweiligen Fähigkeiten zu stärken:
·
Es wird verstärkt in lebenspraktischen Bereichen (z.B.: Kochen, Werken,
Nähen, Schwimmen) gearbeitet.
·
Die Schüler sollen trotz ihrer Behinderungen zu selbstbewusstem und sicherem
Auftreten in ihrer Umwelt befähigt werden (z. B. durch Erkundung der näheren
und weiteren Umfelder wie Schule, Wohnort, Verkehrsverbindungen, evtl. Arbeitsplätze)
·
Innerhalb der Schule können Klassenpartnerschaften aufgebaut werden und
bei verschiedenen Projekten die Teilnahme am Unterricht anderer Klassen ermöglicht
werden.
·
Um kognitives Lernen zu erleichtern werden psychomotorische Übungen in
alle Unterrichtsprojekte einfließen.
·
Zur Verbesserung der Integration und der sozialen Kompetenzen wird der Kontakt
mit Eltern und evtl. außerschulischen Erziehungsmaßnahmen (Familien-
und Einzelfallhelfer) intensiviert (z.B. durch Eltern-Schüler Verträge
oder regelmäßige Hausbesuche).
Seit 2003 haben Schüler unserer 6. Klassen die Möglichkeit sich
von zwei Mediatorinnen aus dem Lehrerkollegium zu Konfliktlotsen ausbilden
zu lassen. Diese können von ihren Mitschülern auf dem Pausenhof oder
in der Schule angesprochen und zu einem Vermittlungsgespräch gebeten werden.
Das Verfahren, das Konfliktlotsen in solch einem Gespräch anwenden, nennt
sich Mediation. Mediation (lat.- mediare - vermitteln) ist ein klar strukturiertes
Modell, in dem der Mediator (Vermittler) zwei Konfliktparteien durch einen
Prozess führt. Er ist der Moderator, der ein Verhandlungsmodell anbietet.
Sinn dieses Prozesses ist es, die Streitenden selbst die Lösung für
ihren Konflikt finden zu lassen. Sie werden als die Experten für ihren
Streit in die Verantwortung genommen. Der Konfliktlotse sucht in keinem Fall
nach einem Schuldigen oder spricht ein Urteil. Aber er legt die Regel für
solch ein Gespräch fest. Da die Lösung von den Konfliktparteien gefunden
und vereinbart wird, ist diese in den meisten Fällen für die Zukunft
tragfähiger, als ein Lösungsvorschlag, der von einem Dritten an sie
herangetragen wird.
Die Konfliktlotsen an unserer Schule werden in einem Kompaktseminar an vier
aufeinander folgenden Tagen von unseren beiden Mediatorinnen ausgebildet. Von
ihnen werden sie weiterhin in einer regelmäßig stattfindenden AG
trainiert. Dort besprechen sie auch aktuelle Vorkommnisse. So sind sie in der
Lage, eine Mediation zwischen ihren Mitschülern in eigener Verantwortung
vorzunehmen.
Freiwillige Angebote für alle Schüler unabhängig davon, ob
diese einer Kirche oder Religionsgemeinschaft angehören, sind der evangelische
Religionsunterricht und der Lebenskundeunterricht.
Dieser Unterricht trägt auch zum Verständnis und zur Achtung anderer
Menschen, Kulturen, Religionen und Konfessionen bei.
Auf der Grundlage von friedlicher und konstruktiver Verständigung und
mit dem Ziel der Entwicklung von Toleranz tragen Religion und Lebenskunde zum
konfliktlösenden Miteinander bei.
Die Schule arbeitet im Bereich der Verlässlichen Halbtagsschule und der nachmittäglichen Hortbetreuung mit dem Reinfelder-Schülerladen-Verbund e. V. zusammen. Dieser hat sich durch den Zusammenschluss der über viele Jahre unabhängig voneinander existierenden Schülerläden im Frühjahr 2006 gegründet. Mit eigenem Erzieher-Personal betreut und fördert er alle Kinder der Schwerhörigen- und Montessori-Grundschulabteilungen integrativ und in Zusammenarbeit mit den Lehrern der Schule.
Für die Erhebung des Ist-Zustandes wurden die Eltern der Montessori-Klassen
im Juni 2005 sowie die Schüler und die Lehrer der Montessori- und Schwerhörigenklassen
im Sept. 2005 jeweils mittels eines Fragebogens um Mitarbeit gebeten. Die Schüler
beteiligten sich zu 88 %, die Eltern zu 69 % und die Lehrer zu 57 %.
Die qualitative Auswertung der Rohdaten aller Fragebogen wurde von einer Lehrer-Eltern-AG
der Montessori-Grundschulabteilung vorgenommen. Für jede der drei Befragungen
(Eltern, Schüler, Lehrer) gibt es eine Einzelauswertung. Aus ihnen lassen
sich folgende zentrale Bestandsaussagen herauslesen.
·
Die Schulwahl wird von den Eltern zu über 90 % aufgrund des pädagogischen
Ansatzes (Montessori, Altersmischung, Integration, soziales Klima) getroffen.
·
79 % der Eltern sehen ihre Erwartungen voll oder überwiegend bestätigt.
- 87 % der Schüler gehen aus Sicht der Eltern gerne oder sehr gerne zur
Schule. Die Schüler gaben dasselbe zu 80 % an.
·
Die Zufriedenheit mit der Pausenregelungen ist geteilt: Eine Hälfte der
Kinder möchte bei jedem Wetter auf den Hof gehen können. Eine andere
Hälfte möchte überhaupt in der Klasse bleiben können.
·
Die Fünf-Minuten-Pausen erscheinen einer Dreiviertelmehrheit der Lehrer
als nicht notwendig.
·
Ganz deutlich wird jedoch, dass Kinder und Lehrer mehrheitlich in der Klasse
frühstücken können wollen.
· Freiarbeit (96 %), Projektarbeit (82 %) und Gruppenarbeit (78 %) sind
bei den Kindern als Unterrichtsformen sehr beliebt.
· Lehrer beurteilen Gruppenarbeit (94 %), Projekte (88 %) und Freiarbeit
(79 %) am positivsten.
·
Schüler und Lehrer wünschen sich mit großer Mehrheit, dass
an jedem Tag die Unterrichtsformen wechseln. Ein Projekttag in der Woche wird
von den Kindern deutlich abgelehnt.
·
Für ein Drittel der Kinder ist die Materialfülle in der Freiarbeit
insofern ein Problem, dass sie nicht wissen, wo sie anfangen sollen. Knapp
die Hälfte der Kinder geben an manchmal nicht zu wissen, was sie in der
Freiarbeit machen können.
·
Zwei Drittel der Lehrer betrachten das Raumangebot als zu gering für die
vorherrschenden Arbeitsformen.
·
Für eine deutliche Hälfte der Lehrer fehlt es an Zeit für die
Beobachtung und individuelle Förderung der Kinder.
·
Mit klarer Mehrheit wünschen sich Lehrer und Schüler jährlich
eine Projektwoche und die gemeinsame auch klassenübergreifende Planung
von Projekten.
· Die Eltern von Integrationskindern sind zu 87 % mit der Betreuung ihrer
Kinder zufrieden.
·
Von den Lehrern schätzen 96 % es so ein, dass sich die Integrationskinder
in der Klasse wohl fühlen und 89 % meinen, es fänden ausreichend
Gespräche in der Klasse über die individuellen Erfordernisse im Umgang
mit den Integrationskindern statt.
· Rund 40% der Eltern geben an, dass sie das Lern- und Unterrichtsgeschehen
nur wenig bis gar nicht transparent finden.
·
60% sind mit der Zahl der Lehrer-Eltern-Kontakte für ausreichen. 90% haben
das Gefühl, bei Bedarf kurzfristig an den Lehrer herantreten zu können.
·
Zwei Drittel der Eltern wünschen sich für den Fall eines Eltern-Lehrer-Konflikts
die Möglichkeit, einen neutralen Vermittler anrufen zu können.
· Rund 91 % der Eltern sind mit der Arbeit der Elternvertreter und der GEV sehr oder überwiegend zufrieden.
· Innerhalb der Schulleitung und zwischen den Gremien sollen Strukturen
entwickelt und umgesetzt werden, die Entscheidungen für alle nachvollziehbarer
werden lassen.
Evaluation:
Im Februar 2008 soll eine Mitarbeiterbefragung dazu durchgeführt werden.
· Die Kooperation zwischen Schule und RSV e.V.
im Bereich der VHG und des Horts muss inhaltlich und organisatorisch von
einer Arbeitsgruppe ausgestaltet
werden.
Die Schule bietet dem RSV e.V. fachpädagogische Unterstützung für
die Integration der schwerhörigen Kinder sowie für Kinder mit anderen
Förderschwerpunkten und im Hinblick auf Montessori-Pädagogik an.
Evaluation:
Im Juni 2007 soll eine Gesprächsrunde unter Leitung der Schulleitung und
des Vorstands des RSV e. V. stattfinden mit dem Ziel eines Erfahrungsberichts.
· Eine neue Schulordnung soll erarbeitet und in das Schulleben implementiert
werden. Ein Schulteam zur Gewaltprävention soll gebildet werden.
Evaluation:
Ende des Schuljahres 2006/07 soll im Rahmen der Gesamtschülervertretung
ein Erfahrungsaustausch stattfinden.
· Zwischen einigen Montessori- und Schwerhörigen-Klassen sollen
strukturierte Kooperationen im Rahmen des Unterrichts mit dem Ziel einer besseren
Integration der beiden Schülergruppen stattfinden.
Evaluation:
Im 2. Halbjahr des Schuljahres 2007/008 sollen die beteiligten Schüler
zu ihren Erfahrungen befragt werden. Erfahrungsberichte von Eltern und Lehrern
sollen ausgewertet werden.
· Für die Dokumentation der Lern- und Leistungsentwicklung der
Kinder sollen verlässliche und transparente Dokumentationswerkzeuge durch
die Fachkonferenzen entwickelt werden.
Evaluation:
Im Sommer 2008 sollen diese in der Teilkonferenz Montessori-Grundschule vorgestellt
werden.
· Für den Übergang von Klasse 3 nach
Klasse 4 sollen Mindeststandards festgelegt werden.
Evaluation:
Im Frühjahr 2008 sollen diese von der Teilkonferenz beschlossen werden,
damit sie dann im Sommer 2008 beim Übergang der 3.Klässler auf ihre
Tauglichkeit überprüft werden können.
· Es sollen einheitliche Protokollbögen für die Halbjahresgespräche
und die Gespräche über das Arbeits- und Sozialverhalten erarbeitet
werden.
Evaluation:
Bis Dezember 2006 sollen die Protokollbögen von der Teilkonferenz beschlossen
werden und am Elternsprechtag nach den Winterferien erprobt werden. Eine Auswertung
in Form einer Befragung von Eltern und Lehrern erfolgt dann bis zum Ende des
Schuljahres 2006/07.
· Durch den Wegfall der Vorklassen fehlen bei den Kindern wichtige
Vorerfahrungen z.B. in den Besonderheiten des Lesenlernens in einer Montessori-Einrichtung
und der gelebten Akzeptanz der Eltern für die anderen Lernwege der Kinder,
die Rolle der Lehrpersonen und das indirekte Lernen.
Um diese Einschränkung zu kompensieren, nimmt die Montessori-Abteilung
Beziehung zu „montessori-orientierten“ Kitas auf. Ziel ist es dabei
auch Kontakte herzustellen
Evaluation:
Bis zum Herbst 2007 soll eine quantitative Auswertung erfolgen.
· Die Bereiche Sprachförderung, musikalische Erziehung und Bewegungsförderung
sollen im Unterricht wegen der elementaren Bedeutung dieses Bereichs für
Schwerhörige stärker berücksichtigt werden. Sprache, Rhythmus
und Bewegung sollen integrativer Bestandteil des gesamten Grundschulunterrichts
bei Schwerhörigen sein.
Dabei sollen Psychomotorik, Sport, Logopädie, Musik, Theater und Tanz
als wichtige Elemente der sprach-rhythmischen Erziehung berücksichtigt
und miteinbezogen werden.
Evaluation:
Im Sommer 2008 gibt die Teilkonferenz der Gesamtkonferenz einen Erfahrungsbericht.
· Im kommenden Schuljahr ist eine Teambildung von drei Lehrern probeweise
in einer Klasse der SEK I geplant. Diese soll die Umsetzung eines fächerübergreifenden
Unterrichts erproben. Durch die enge Kooperation der unterrichtenden Lehrer
sollen zum einen die Wissensgebiete für die Schüler miteinander vernetzt,
aber auch die sozialen und kommunikativen Fähigkeiten der Schüler
gefördert werden.
Evaluation:
Für dieses Arbeitsvorhaben wird die erforderliche Evaluation am Anfang
des Schuljahres 06/07 von der Teilkonferenz SEK I erarbeitet.
· Schüler der SEK I sind im vergangenen Schuljahr mit dem Wunsch
nach einem „Schülertreff' oder „Schülercafe" an
die Lehrer und die Schulleitung herangetreten. Diesen Treffpunkt können
die Schüler unter Anleitung einrichten und gestalten und ihn in der 2.
Pause zum Erzählen, Kartenspielen oder „Frühstücken" nutzen.
Ein Schülertreff dient der Förderung der sozialen Kompetenzen sowie
der Gewaltprävention. Die Gestaltung des Raumes und auch die Erhaltung
fördert bei den Schülern die Selbständigkeit sowie das Verantwortungsgefühl
(berufsrelevante Basisqualifikationen).
Evaluation:
Im Sommer 2007 werden die Schüler zu ihren Erfahrungen befragt.
Die Arbeit der Schule wird vom Förderverein auch finanziell unterstützt.
Bei notwendigen Anschaffungen, die sich aus dem Haushalt der Schule nicht finanzieren
lassen, hilft uns der Förderverein unbürokratisch und schnell. Der
Förderverein unterstützt auch bedürftige Schüler z.B. bei
Klassenfahrten.
Der Förderverein hat darüber hinaus einen Lernmittelfond eingerichtet,
in den die Eltern für jedes Kind jährlich einen festen Betrag (zur
Zeit 50 €) einzahlen. Aus diesem Fond werden die notwendigen Schulbücher
gekauft, die dann den Schülern in einem Ausleihverfahren zur Verfügung
gestellt werden.
Der Arbeitskreis Montessori-Pädagogik unterstützt ebenfalls die Arbeit insbesondere der Montessori-Grundschulabteilung in Form von Materialbeschaffung für die Projekt- und Freiarbeit.
Jährlich finden Spendenläufe für konkrete Vorhaben der Schule statt. Auf diese Weise wurden im Schuljahr 2005/06 für die Ausstattung des Naturwissenschaften-Raums und im Jahr davor für die Gestaltung der Schulhöfe mehrere tausend Euro von den Schülern erlaufen und von den Eltern gespendet.
Das vorliegende Schulprogramm wurde in mehreren Schritten
von den Gremien der Schule gemeinsam erarbeitet. Dieser Arbeitsprozess war
spannend und hat
Ergebnisse hervorgebracht, die vorher nicht unbedingt absehbar waren. Er hat
der Schule Wege eröffnet, die in den nächsten Jahren gegangen werden
können.
Das Schulprogramm spiegelt die Vielfältigkeit der Beteiligten und deren
Ideen für die Weiterentwicklung der Schule wider. Verschiedenheiten und
Brüche können ruhig erkennbar bleiben. Nach Übergängen
werden wir weiter suchen.
Dieses Schulprogramm ist nicht fertig. Es ist vielmehr ein Arbeitsauftrag für
die nächste Zeit.
Reinfelder-Schule
Maikäferpfad 30
14055 Berlin
Schulleitung
Schulleiterin: Frau Rose-Fallisch
1. Konrektor: Herr Thimm
2. Konrektorin: Frau Kosky-Dorndorff
Telefon: 9029 25050
Fax: 9029 25064
Email: post@reinfelder-schule.de
Internet: www.Reinfelder-Schule.de